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Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Solang man nüchtern ist...
Solang man nüchtern ist,
Gefällt das Schlechte;
Wie man getrunken hat,
Weiß man das Rechte;
Nur ist das Übermaß
Auch gleich zuhanden;
Hafis, o lehre mich,
Wie du's verstanden!
Denn meine Meinung ist
Nicht übertrieben:
Wenn man nicht trinken kann,
Soll man nicht lieben;
Doch sollt ihr Trinker euch
Nicht besser dünken,
Wenn man nicht lieben kann,
Soll man nicht trinken.
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Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)
Die Stärke des Weins
Wein ist stärker als das Wasser:
Dies gestehn auch seine Hasser.
Wasser reißt wohl Eichen um,
Und hat Häuser umgerissen:
Und ihr wundert euch darum,
Dass der Wein mich umgerissen?

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Paul Scheerbart (1863-1915)
Wohl dem, der frei...
Wohl dem, der frei von Weib und Kindern
Sein Leben froh vertrinken kann -
Der muss der Menschheit Leiden lindern -
Der ist ein guter freier Mann -
Der lebt im Sturm und Sonnenschein
Gemütlich in den Tag hinein -
Der hat verjubelt alle Pein
Und darf auf Erden selig sein.
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Melodie - Gerhard Jussenhoven
Jupp Schlösser
Kornblumenblau
Es gibt kein Plätzchen auf Erden,
Wo sich's so herrlich und fein
Leb wie am Rhein, wo die Reben
Blühen im Sonnenschein.
Reich an Farben, so bunt und so prächtig
Erstrahlt Wald und Flur,
Von den Farben am Rhein
eine allein tritt ganz besonders hervor.
Refrain:
Kornblumenblau
Ist der Himmel am herrlichen Rheine,
Kornblumenblau
Sind die Augen der Frauen beim Weine.
Darum trinkt Rheinwein, Männer seid schlau,
Dann seid am Ende auch ihr kornblumenblau.
Nur wer den Rhein hat gesehen,
Dort schöne Stunden verbracht,
Der nur allein kann verstehen
Des Rheines Zaubermacht.
Manchen hat er schon, der hier verweilet,
Geheilet von Schmerz.
Darum zieh an den Rhein,
Er nur allein
Hält ewig jung dir das Herz.
Refrain |
O du wunderschöner deutscher Rhein
Ich saß am Rhein und sah in die Wogen hinein,
mir schien die Flut ein Feeénreich zu sein,
denn plötzlich klang ein ferner Klang
ganz leis zu mir empor,
vom Glöck berauscht, hab' ich gelauscht
der Nixen süßem Chor.
O du wunderschöner deutscher Rhein,
du sollst ewig Deutschlands Zierde sein.
O du wunderschöner deutscher Rhein,
du sollst ewig Deutschlands Zierde sein.
Da kam gar bald ein Mägdlein im Nachen herbei,
so wunderschön war nur die Lorelei.
Sie setzte sich dann neben mich
im Abendsonnenschein,
von alter Zeit und Herrlichkeit
sang'n wir bei edlem Wein:
O du wunderschöner ...
Doch als ich dann der holden ins Aug' gesehn,
da war es, ach, gar bald ums Herz geschehn.
In Seligkeit schwor ich der Maid
die ew'ge Lieb' und Treu,
sie sank voll Lust an meine Brust,
vereint sang'n wir aufs neu:
O du wunderschöner ... |
Trink, trink, Brüderlein trink
Trink, trink, Brüderlein, trink,
lass doch die Sorgen zu Haus!
Trink, trink, Brüderlein, trink,
zieh doch die Stirn nicht so krauss!
Meide den Kummer und meide den Schmerz,
dann ist das Leben ein Scherz!
Meide den Kummer und meide den Schmerz,
dann ist das Leben ein Scherz!
Das Trinken, das soll man nicht lassen,
das Trinken regiert doch die Welt,
man soll auch den Menschen nicht hassen,
der stets eine Lage bestellt.
Ob Bier, ob Wein, ob Champagner,
nur lasst uns beim Trinken nicht prahl'n,
es trank den Champagner schon mancher
und konnt ihn nachher nicht bezahl'n.
Trink, trink, Brüderlein, trink...
Das Lieben, das Trinken, das Singen
schafft Freude und fröhlichen Mut,
den Frauen, den musst du eins bringen,
sie sind doch so lieb und so gut.
Verlieb dich, solange du jung bist,
die Hauptsach', du bist noch nicht blau,
denn wenn man beim fröhlichen Trunk ist,
bekommt man sehr leicht eine Frau.
Trink, trink, Brüderlein, trink...
Der Moses, der hat, gar nicht übel,
ein elftes Gebot noch erdacht,
das steht aber nicht in der Bibel
und hat so viel Freude gemacht.
Man hatte es uns unterschlagen,
weil fröhliches Trinken es preist,
ich aber, ich will es euch sagen.
Ja, wisst ihr denn auch, wie es heisst?
Trink, trink, Brüderlein, trink... |
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August Langbein (1757-1835)
Noah
Als Noah aus dem Kasten war,
Da trat zu ihm der Herre dar;
Der roch des Noahs Opfer und sprach:
"Ich will dir gnädig sein,
Und weil du ein so frommes Haus,
So bitt' dir eine Gnade aus!"
Fromm Noah sprach: "Ach lieber Herr,
Das Wasser schmeckt mir gar nicht mehr,
Dieweil darin ersaufet sind
All sündhaft Vieh und Menschenkind:
Drum möcht' ich armer alter Mann,
Ein anderweit' Getranke ha'n!"
Da griff der Herr ins Paradies
Und gab ihm einen Weinstock süß
Und gab ihm guten Rat und Lehr'
Und sprach: "Den sollst du pflegen sehr."
Und wies ihm alles so und so;
Der Noah ward ohn' Maßen froh.
Und rief zusammen Weib und Kind,
Darzu sein ganzes Hausgesind',
Pflanzt' Weinberg rings um sich herum:
Der Noah war furwahr nicht dumm!
Baut' Keller dann und presst' den Wein
Und füllt ihn gar in Fässer ein.
Der Noah war ein frommer Mann,
Stach ein Fass nach dem andern an
Und trank es aus zu Gottes Ehr':
Das macht' ihm eben kein Beschwer.
Er trank, nachdem die Sündflut war,
Dreihundert noch und fünfzig Jahr'.
Ein kluger Mann hieraus ersieht,
Dass Weins Genuss ihm schadet nicht;
Und item, dass ein guter Christ
In Wein niemalen Wasser gießt:
Dieweil darin ersaufet sind
All sündhaft Vieh und Menschenkind.

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Joseph Victor von Scheffel (1826-1886)
Kunz von Kauffungen
Kunz von Kauffungen mit zwei Rittern
Saß in der Waldschenk und trank einen Bittern.
Da besoff sich einer von den Rittern,
Fiel untern Tisch, dass die Wände zittern.
Kunz von Kauffungen mit einem Ritter
Saß in der Waldschenk und trank einen Bittern.
Da besoff sich der andre von den Rittern,
Fiel untern Tisch, dass die Wände zittern.
Kunz von Kauffungen ohne die zwei Ritter
Saß in der Waldschenk und trank einen Bittern.
Kunz von Kauffungen ohne die zwei Ritter
Fiel endlich selbst ab - die Wände zittern!
Kunz von Kauffungen mit zwei Rittern
Lag unterm Tisch, besiegt vom Bittern.
Da erholt' sich einer von den Rittern,
Saß in der Waldschenk und trank einen Bittern.
Kunz von Kauffungen mit einem Ritter
Schnarcht5 unterm Tisch, dass die Wände zittern.
Da erholt' sich der andere von den Rittern,
Saß in der Waldschenk und trank einen Bittern.
Kunz von Kauffungen ohne die zwei Ritter
Schnarcht' unterm Tisch, dass die Wände zittern.
Endlich erholt' sich Kunz gleich den zwei
Rittern,
Saß in der Waldschenk und trank einen Bittern.
Kunz von Kauffungen mit zwei Rittern
Liefi nach diesem Vorfall die Pferde fiittern.
Kunz von Kauffungen mit seinen Rittern
Ritt nach Chemnitz und trank einen Bittern.
Da besoff sich einer von den Rittern,
Fiel untern Tisch, dassi die Wände zittern.
etc. etc.
Da capo
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Franz Graf von Pocci (1807-1876)
Hans Teuerlich
Mich dünkt, es war ganz neuerlich
ein Wirt, der hieß Hans Teuerlich;
sein Braten war nicht käuerlich,
sein Wein war etwas säuerlich.
Drei Wandrer traten da herein,
die riefen: "Wirt, nun schenk uns ein!
Wir wurden müd im Sonnenschein,
drum gib uns echten guten Wein!"
Hans Teuerlich lief schlau und fein
zum Keller mit dem Krug von Stein;
dort stand ein Fass mit saurem Wein
und neben floss der tiefe Rhein.
Bedachtsam wie eine Nuss
Zapft er vom Weine mit Verdruss.
Lässt dann herein in vollem Schuss
Den hochberühmten klaren Fluss.
Er bringt den Wein den Gästen dar
und schwört bei seiner Ehr fürwahr,
dass Wein sein rein, so hell und klar
noch nie in einem Fasse war.
Die durst'gen Drei, die freuen sich,
sie danken erst Hans Teuerlich
und trinken drauf ganz feierlich
den Wein, so matt und säuerlich!
Wohl werfen sie die Becher fort,
doch schwört der Wirt bei seinem Wort,
der Wein sei von der besten Sort',
ein wahrer, echter Niblungshort.
Und schenket dann noch einmal ein
Den Gästen von dem klaren Wein.
Doch sieh! Drei Fischlein, nett und klein,
die hüpfen aus dem Krug herein.
Die drehen gar behendiglich
Im Becher dort inwendig sich;
es ward darum elendiglich
der Wirt verlacht beständiglich.
Sie zahlten ihm den Wein nicht schlecht,
auf dass er stets der Fisch gedächt';
er tat's nicht mehr, doch hör ich recht,
dann ist gar groß des Wirts Geschlecht.

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